Das Bobath-Konzept ist ein Behandlungskonzept, das entwicklungsverzögerten und hirngeschädigten Säuglingen und Kindern hilft, sich selbst besser zu Organisieren und ein Höchstmaß an Handlungsstrategien zu entwickeln, um Selbstständigkeit zu erlangen.

Der Ansatz ist ganzheitlich: Die Motorischen Fähigkeiten werden geweckt, gefördert und unterstützt, handlungsorientiert, spielerisch und in Funktion des täglichen Lebens geübt. Die Ebenen der Emotionalität, die soziale Entwicklung und auch die Kognition ( Lernen ) werden wie im selbstverständlichen Leben gefördert, angesprochen und genutzt. Oftmals sind es gerade diese Ebenen, die prädestiniert sind, einen Weg zu motorischen Fähigkeiten zu erlangen.

Die Behandlung erfolgt nicht nach einem Schema, Grundlage ist der individuelle Befund des Kindes: aus diesem erfolgt die Therapie. Hierfür sind die fachlichen, differenzierten Kenntnisse der Bandbreite der normalen Entwicklungsmöglichkeiten wichtig. Anhand dieser Kenntnisse wird auf Grund des analytischen Befundes unter Berücksichtigung der pathologischen Entwicklung, mit den Fähigkeiten des Kindes ein Behandlungsschwerpunkt angesetzt, eine Umsetzungsstrategie entwickelt, um dem Kind in seiner aktuellen Phase altersgerechte, bedarfsorientierte, integrierende Hilfe zu geben.

Pathologische Bewegungsmuster werden gehemmt, so dass sich der Spannungszustand der Muskulatur (Tonus), der zu hoch oder zu niedrig sein kann, harmonisiert und einer Funktion anpassen kann. Dies zeigt sich dann in einem verbesserten Haltungs- und Bewegungsmuster, in der Gleichgewichtskontrolle, aber auch in der Wachheit des Kindes wieder.

Handlungen werden erleichtert, oft erst möglich. Durch die therapeutische Integration der Eigenwahrnehmung des Körpers in der Umwelt, durch Berühren und Berührt-Werden, sowie die vestibuläre Stimulation (Gleichgewicht), durch Bewegen und Bewegt-Werden, aber auch durch akustische, visuelle, Geschmacks- und Geruchsstimulation kann das Kind seinen Erfahrungsschatz aufarbeiten und erweitern, um dadurch verbesserte Handlungsstrategien zu entwickeln.

Die Integration aller sinnlichen Ebenen führt zu Erfolgserlebnissen, zur Freude und zu Selbstbewusstsein - neu erlernte Erfahrungen zu einem erweiterten Bewusstsein. Vernetzung der Sinne und Denken sind Voraussetzung für sensible Wachheit, was wiederum zu Spielen und situationsbezogenem Handeln führt.

Der Einsatz von Hilfsmitteln und Hilfen ist genauso in die Behandlung integriert wie das Therapieren von Kontrakturen, Deformitäten, und Schmerzzuständen, um diese zu heilen, zu reduzieren oder auch eine Verschlechterung zu verhindern.
Im Bobath-Konzept laufen ständiger Befund der Situation und Behandlung Hand in Hand. Das Konzept ist ständig in Bewegung, um neuen Ideen und Kenntnissen dem Patienten zukommen zu lassen. Enge Kooperation mit dem Arzt ist genauso selbstverständlich wie eine Zusammenarbeit mit Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen, Lehrern und natürlich den Personen, die am täglichen Leben des Kindes teilnehmen: Eltern, Geschwister und Verwandte.
Die Therapie ist alltags- und lebensorientiert im Dialog mit dem Kind und seinem sozialen Umfeld (Ess-Situation, An- und Ausziehen, Toilette, etc.).

Unter Berücksichtigung der Individualität eines jeden Problems des Kindes werden alltägliche Situationen in der Behandlung so gestaltet, dass das Kind unter Einbeziehung aller sinnlichen Ebenen und seines Individuums, adäquat gefördert wird.